Eine jetzt von Creditreform vorgelegte Untersuchung weist für das erste Halbjahr rund 8.400 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland aus. Das sind 16,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Eine höhere prozentuale Zunahme gab es im Vergleichszeitraum zuletzt 2002. Ursächlich dafür ist ein ganzes Bündel von Gründen, darunter die hohen Energie- und Materialpreise und die Zinswende. Betroffen sind vor allem von der Corona-Krise geschwächte Unternehmen.
„Die enormen Kostenbelastungen durch zu hohe Energie- und Materialpreise zeigen Wirkung. Nach Jahren sinkender Insolvenzzahlen hat sich der Trend gedreht“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Verschärft habe sich der Gegenwind auch durch das schlechte Konsumklima. Offenbar werden für viele Betriebe die großzügig verteilten Staatsgelder der Vergangenheit jetzt zum Bumerang: „Die Rückzahlungen der Hilfen und teils verschleppte Anpassungen des Geschäftsmodells führen bei dauerhaft steigenden Zinsen in die finanzielle und wirtschaftliche Sackgasse“, so Hantzsch.
Bei den Unternehmen hat sich das Insolvenzgeschehen weg von Einzelunternehmen und Kleingewerbetreibenden hin zu Gesellschaften wie der GmbH entwickelt. So erhöhte sich der Anteil der GmbH am Insolvenzgeschehen von 37,6 auf 41,8 Prozent. Auch diese Entwicklung deutet auf ein höheres Fallaufkommen im Bereich mittlerer und größerer Firmen hin. Rückläufig war hingegen der Anteil von Einzelunternehmen, die 40,3 Prozent aller Insolvenzen ausmachten – im Vorjahreszeitraum waren es noch 44,5 Prozent. In allen vier Hauptwirtschaftsbereichen hat sich das Insolvenzaufkommen spürbar erhöht.
Im weiteren Jahresverlauf dürfte sich der aktuelle Trend steigender Insolvenzzahlen fortsetzen. Creditreform Sprecher Hantzsch: „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Unternehmen bleiben durch die Inflation und auch durch die Zinswende sehr angespannt. Die Zahl der Zahlungsausfälle könnte sich in den kommenden Monaten sogar noch beschleunigen“. Die aktuelle Creditreform-Studie zeigt einen deutlich negativen Einfluss von steigenden Zinsen und schwacher Ertragslage auf das Insolvenzgeschehen. Für eine zunehmende Anzahl an Unternehmen ist die Schuldentragfähigkeit schon unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr gegeben. Jede weitere Erhöhung des Zinsniveaus sei für die Unternehmensstabilität in Deutschland problematisch. Zudem werden Erträge und preisbereinigte Umsätze der deutschen Unternehmen 2023 wohl stagnieren, was die Bewältigung steigender Zinslasten schwierig mache.
Hinweis: Weitere Informationen zur sich aufbauenden Insolvenzwelle finden Sie auch im Editorial der in wenigen Tagen erscheinenden KSI-Ausgabe 4/23.
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