Nachgefragt bei Dr. Astrid Auer-Reinsdorff
27.04.2021
„IT als strategisches Thema erkennen und zur Chefsache machen”
ESV-Redaktion ConsultingBay
Lesen Sie hier den ersten Teil des Interviews.
In welcher Größenordnung entstehen Hotels Kosten bei den aktuellen Umstellungen insbesondere im Datenschutz und der Digitalisierung?
Dr. Astrid Auer-Reinsdorff: Das lässt sich pauschal nicht eingrenzen und hängt von der Ausstattung und der Kompetenz im Haus oder in der Gruppe ab. Wichtig ist zu bedenken, dass IT und Digitalisierung eine Daueraufgabe sind und Bestandteile des Strategie- und Risikomanagements werden müssen. Insbesondere IT-Sicherheit ist immer nur eine Momentaufnahme und bedarf der zuverlässigen Pflege und Aktualisierung.
Krisen sind ja oft Veränderungsbeschleuniger. Der sichere Umgang mit Gästedaten und Technologie wird an Bedeutung gewinnen. Welche Entwicklungen hinsichtlich Datenrecht und Umgang mit Daten sehen Sie unabhängig von Corona als nachhaltig an?
Astrid Auer-Reinsdorff: Daten werden immer seltener vor Ort an der Rezeption erhoben werden. Vielmehr werden zunehmend der digitale Check-in und die Pre-check-in-Kommunikation angeboten und genutzt. An sich sollte sich damit die Korrektheit der Daten verbessern, da die Gäste ihre Daten selbst eingeben und so falsche Datenübernahmen durch schlecht leserliche Handschriften und falsch verstandene Angaben vermieden werden können. Auch das verantwortliche Zuweisen des Themas Datenschutz führt dazu, dass größere Klarheit und Transparenz in die digitalen Prozesse kommen.
Wie können die Hotels den Lockdown nutzen, um digital auf Vordermann zu kommen?
Astrid Auer-Reinsdorff: Hier ist der erste Schritt eine Bestandsaufnahme – soweit noch nicht geschehen – hinsichtlich der Hardware, der Software und der Infrastruktur. Datenbereinigung gehört dann ggf. auch dazu bzw. das sorgfältige Archivieren, soweit Aufbewahrungspflichten bestehen und Vertragsbeziehungen noch laufen. Wer ist für welche Themen zuständig und kompetent, wo haben wir bislang das Potenzial der eingesetzten Lösungen noch gar nicht genutzt oder ist die Lösung sogar viel zu komplex für die benötigten Prozesse. Was kann verschlankt werden, wo gibt es Reibungsverluste zwischen den Abteilungen und im Austausch von benötigten Daten, und was wird viel zu oft mündlich oder per Klebezettel ausgetauscht und nicht dokumentiert. Hier lohnt sich der Einsatz von Kollaborations-Tools, was automatisch Transparenz für alle bringt – eine Herausforderung, die es sich lohnt anzugehen. Und unbedingt einmal die eigene Website bereinigen und stärker fokussieren, über eine eigene App nachdenken und Social Media mit Strategie (neu) aufsetzen.
Was hat Priorität, was sollte man auf später bzw. bessere Zeiten verschieben?
Astrid Auer-Reinsdorff: Wohl das Einführen neuer hardware-intensiver Anwendungen und Angebote, es sei denn, damit wird ein relativ stabiles Angebot auch unter eingeschränkten Öffnungsbedingungen der Pandemie geschaffen.
Nicht erst auf der diesjährigen virtuellen ITB dominierten Themen wie Guest Data, Travel Technology und digitale Transformation das Programm. Was sind die aktuellen Trends in Sachen Hotel-IT und Hotel-Technologie?
Astrid Auer-Reinsdorff: Der digitale Check-in und Zimmerschlüssel ist nach wie vor eines der Trendthemen. Zudem ist meist großes Potenzial bei dem Thema Kostenreduzierung hinsichtlich der Energiesteuerung der Häuser. Der Einsatz von Smarthouse-Technologien hilft, Wärme, Kühlung, Beleuchtung und Zugangssysteme besser zu steuern. Der Einsatz von cloud-basierten Lösungen ist weiterhin ein Topthema, auch wenn mit Datenschutz und Sicherheitsrisiken eigene Back-up-Lösungen on-premises an Bedeutung gewinnen. Natürlich sind auch die digitale Präsenz und das Schaffen von digital gesteuerten, neuen Absatzkanälen fast ein Muss.
Wofür herrscht hier insbesondere für die deutsche Hotellerie bzw. Tourismusbranche noch Handlungsbedarf?
Astrid Auer-Reinsdorff: Das Thema IT personell zuzuordnen und als strategisches Thema zu erkennen und zur Chefsache zu machen, Das heißt nicht, dass die Direktorin oder der Direktor alles können und wissen muss. Aber dafür überproportional interessieren muss sie oder er sich schon.
Astrid Auer-Reinsdorff: Ende der 1990er-Jahre war das EDV-Recht noch neu, aber in großen IT-Projekten mit Mängeln und Verzug dem Baurecht recht ähnlich. Die Internet-Blase platzte bald darauf, und Business-Modelle werden seitdem viel stärker auch IT-rechtlich bedacht.
Besonders das Thema Woman in IT ist Ihnen ein Anliegen. Was bewegt Sie dabei?
Lesen Sie hier den ersten Teil des Interviews.
(ESV, uw)
In welcher Größenordnung entstehen Hotels Kosten bei den aktuellen Umstellungen insbesondere im Datenschutz und der Digitalisierung?
Dr. Astrid Auer-Reinsdorff: Das lässt sich pauschal nicht eingrenzen und hängt von der Ausstattung und der Kompetenz im Haus oder in der Gruppe ab. Wichtig ist zu bedenken, dass IT und Digitalisierung eine Daueraufgabe sind und Bestandteile des Strategie- und Risikomanagements werden müssen. Insbesondere IT-Sicherheit ist immer nur eine Momentaufnahme und bedarf der zuverlässigen Pflege und Aktualisierung.
Krisen sind ja oft Veränderungsbeschleuniger. Der sichere Umgang mit Gästedaten und Technologie wird an Bedeutung gewinnen. Welche Entwicklungen hinsichtlich Datenrecht und Umgang mit Daten sehen Sie unabhängig von Corona als nachhaltig an?
Astrid Auer-Reinsdorff: Daten werden immer seltener vor Ort an der Rezeption erhoben werden. Vielmehr werden zunehmend der digitale Check-in und die Pre-check-in-Kommunikation angeboten und genutzt. An sich sollte sich damit die Korrektheit der Daten verbessern, da die Gäste ihre Daten selbst eingeben und so falsche Datenübernahmen durch schlecht leserliche Handschriften und falsch verstandene Angaben vermieden werden können. Auch das verantwortliche Zuweisen des Themas Datenschutz führt dazu, dass größere Klarheit und Transparenz in die digitalen Prozesse kommen.
Wie können die Hotels den Lockdown nutzen, um digital auf Vordermann zu kommen?
Astrid Auer-Reinsdorff: Hier ist der erste Schritt eine Bestandsaufnahme – soweit noch nicht geschehen – hinsichtlich der Hardware, der Software und der Infrastruktur. Datenbereinigung gehört dann ggf. auch dazu bzw. das sorgfältige Archivieren, soweit Aufbewahrungspflichten bestehen und Vertragsbeziehungen noch laufen. Wer ist für welche Themen zuständig und kompetent, wo haben wir bislang das Potenzial der eingesetzten Lösungen noch gar nicht genutzt oder ist die Lösung sogar viel zu komplex für die benötigten Prozesse. Was kann verschlankt werden, wo gibt es Reibungsverluste zwischen den Abteilungen und im Austausch von benötigten Daten, und was wird viel zu oft mündlich oder per Klebezettel ausgetauscht und nicht dokumentiert. Hier lohnt sich der Einsatz von Kollaborations-Tools, was automatisch Transparenz für alle bringt – eine Herausforderung, die es sich lohnt anzugehen. Und unbedingt einmal die eigene Website bereinigen und stärker fokussieren, über eine eigene App nachdenken und Social Media mit Strategie (neu) aufsetzen.
Was hat Priorität, was sollte man auf später bzw. bessere Zeiten verschieben?
Astrid Auer-Reinsdorff: Wohl das Einführen neuer hardware-intensiver Anwendungen und Angebote, es sei denn, damit wird ein relativ stabiles Angebot auch unter eingeschränkten Öffnungsbedingungen der Pandemie geschaffen.
Nicht erst auf der diesjährigen virtuellen ITB dominierten Themen wie Guest Data, Travel Technology und digitale Transformation das Programm. Was sind die aktuellen Trends in Sachen Hotel-IT und Hotel-Technologie?
Astrid Auer-Reinsdorff: Der digitale Check-in und Zimmerschlüssel ist nach wie vor eines der Trendthemen. Zudem ist meist großes Potenzial bei dem Thema Kostenreduzierung hinsichtlich der Energiesteuerung der Häuser. Der Einsatz von Smarthouse-Technologien hilft, Wärme, Kühlung, Beleuchtung und Zugangssysteme besser zu steuern. Der Einsatz von cloud-basierten Lösungen ist weiterhin ein Topthema, auch wenn mit Datenschutz und Sicherheitsrisiken eigene Back-up-Lösungen on-premises an Bedeutung gewinnen. Natürlich sind auch die digitale Präsenz und das Schaffen von digital gesteuerten, neuen Absatzkanälen fast ein Muss.
Wofür herrscht hier insbesondere für die deutsche Hotellerie bzw. Tourismusbranche noch Handlungsbedarf?
Astrid Auer-Reinsdorff: Das Thema IT personell zuzuordnen und als strategisches Thema zu erkennen und zur Chefsache zu machen, Das heißt nicht, dass die Direktorin oder der Direktor alles können und wissen muss. Aber dafür überproportional interessieren muss sie oder er sich schon.
| Dr. Astrid Auer-Reinsdorff |
| Dr. Astrid Auer-Reinsdorff ist Fachanwältin für IT-Recht sowie Anwältin in Berlin und Lissabon. Sie berät Unternehmen bei IT- und Webprojekten, AGB sowie den rechtlichen Rahmenbedingungen des eCommerce und Social Media. Für die Deutsche Gesellschaft für Recht und Informatik (DGRI) ist sie als Schlichterin tätig. Bei der DeutschenAnwaltAkademie (DAA) bildet sie die Fachanwälte für IT-Recht aus, hält Fortbildungsseminare und lehrt an der WWU. Unternehmen der Hotelbranche berät sie umfassend in den vertragsrechtlichen Fragestellungen. |
Sie selbst sind Fachanwältin für IT-Recht. Was hat Sie bewogen, sich auf diese Fachrichtung zu spezialisieren?
Astrid Auer-Reinsdorff: Ende der 1990er-Jahre war das EDV-Recht noch neu, aber in großen IT-Projekten mit Mängeln und Verzug dem Baurecht recht ähnlich. Die Internet-Blase platzte bald darauf, und Business-Modelle werden seitdem viel stärker auch IT-rechtlich bedacht.
Besonders das Thema Woman in IT ist Ihnen ein Anliegen. Was bewegt Sie dabei?
„Die digitalisierte Welt ist für uns Frauen gemacht.“
Astrid Auer-Reinsdorff: Frauen wird die Gabe zu vernetztem Denken zugeschrieben – also ist die digitalisierte Welt für uns gemacht. Trotzdem sind Frauen in der IT noch unterrepräsentiert und wir laufen ebenso wie in der analogen Welt Gefahr, die Künstliche Intelligenz mit Daten zu füllen, die von Unconscious Bias geprägt sind. Damit ist Diversity Inclusion natürlich auch über die Einbeziehung der weiblichen Aspekte hinaus nicht selbstverständlich.Lesen Sie hier den ersten Teil des Interviews.
IT-Recht und Datenschutz im HotelHerausgegeben von Dr. Astrid Auer-ReinsdorffMit Beiträgen von Dr. Astrid Auer-Reinsdorff und Anna Cardillo Eine gelungene digitale Customer Journey ist heute die Visitenkarte jedes erfolgreichen Hotels: vom Finden eines Angebotes bis zur Post-Stay-Kommunikation, vom Buchen bis zum Schutz der Unternehmens- und Gästedaten. Auch Fragen der IT-Ausstattung und Datenverwaltung gehören daher zum unverzichtbaren Teil eines professionellen Gästeservices.
Entscheiden Sie auf Augenhöhe mit: ein Praxisbuch zu allen typischen IT-rechtlichen Fragen, die im Hotel entstehen. |
(ESV, uw)