KMU, Mittelstand, Familienunternehmen: Eine Klarstellung
Mittelstand galt seit jeher als heterogen und schwer (er)fassbar. Um die zahlenmäßige Bedeutung des Mittelstands, seine volkswirtschaftlichen Beiträge und seine Entwicklung darstellen zu können, sind Wissenschaft und Politik seit den 1970er Jahren auf das Konstrukt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ausgewichen. Der sektorale Strukturwandel führte zu einer weiteren Ausdifferenzierung des Mittelstands. Zugleich drangen Großunternehmen seit den 1970er Jahren, in dem Bestreben um effizientere Organisationsformen, durch Gründung von kleineren Unternehmenseinheiten in das KMU-Größensegment ein. In der Folge wird es zunehmend problematischer, Mittelstand durch KMU repräsentiert zu sehen. Es ist nämlich nicht die geringe Größe, die den Mittelstand in seinem Kern ausmacht, sondern eine bestimmte Organisationsform, die in der Identität von Eigentum und Leitung ihren Ausdruck findet. Darüber gilt eine bestimmte Werthaltung als „typisch mittelständisch“. Unternehmen, in denen solche Werthaltungen gepflegt werden, werden oftmals von der Geschäftsleitung oder den Eigentümern als mittelständisch charakterisiert, obwohl die Einheit von Eigentum und Leitung nicht mehr gegeben ist. Sie zählen sich selbst ebenfalls zum Mittelstand. Im vorliegenden Beitrag werden die einzelnen Facetten von KMU und Mittelstand betrachtet. Wir gehen der Frage nach, ob KMU und Mittelstand gleichgesetzt werden können, was Mittelstand eigentlich ist, wie er sich entwickelt hat und welche Werte ihn charakterisieren.
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