Vertrauen
Wenn wir jemandem Vertrauen schenken, erbringen wir eine riskante Vorleistung (LUHMANN 1989). Riskant heißt, dass wir, im Unterschied zur Leichtgläubigkeit, die Möglichkeit der Enttäuschung in Betracht ziehen. Mit Vertrauen verringern wir die Komplexität „der Welt“, egal ob sich diese als Blick in ein uns fremdes Gesicht, als Gang zum Arzt oder als Entscheidung über eine Geldanlage darstellt. Wir erhalten dafür, quasi als Gegenleistung für unsere Risikobereitschaft, die Chance, uns Zeit, Energie und sonstigen Aufwand zu ersparen. Die Entscheidung, Vertrauen zu erweisen oder nicht, ist ein schönes Beispiel dafür, wie sehr unser Handeln immer zugleich rational (durch den Verstand) als auch emotional (durch den Bauch) gesteuert wird. Der Gegenpol zum Vertrauen ist das Nichtvertrauen. Es ist ein Zustand der Indifferenz oder Gleichgültigkeit. Ein Abwägen von Risiken scheint hier, zumindest im Moment, gar nicht nötig. Oder es gilt, Enttäuschungen, so sie nicht gravierend sind, erst einmal zu „verdauen“ (STAHL 2010).
Seiten 226 - 228
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