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Vision

Dieses Wort müsste man mit einem Warnhinweis versehen. Durch seinen unreflektierten Gebrauch hat es schon viel Schaden angerichtet. Seine Unschärfe – was ist eigentlich „eine Vision“? – und sein attraktiver Klang – drei Vokale in nur sechs Buchstaben – bieten die ideale Deckung, um ungestraft Nichtssagendes von sich zu geben. „Jedes Unternehmen braucht eine Vision“, so tönt es oft bei BWL-Prüfungen. Der Grund für diese Allgegenwart der Vision lässt sich nicht eindeutig nachvollziehen. Vielleicht sind es die Heldengeschichten, an denen die US-amerikanische Managementliteratur so reich ist, dass dem Visionär, der ja zugleich immer ein Held ist, uneingeschränkte Bewunderung zuteil wird. Dass der Begriff „Vision“ auch die Bedeutung von „Sinnestäuschung“, „optischer Halluzination“ oder „übernatürlicher Erscheinung“ besitzt, wird dabei gerne übersehen. Erst mit dem großen Wehklagen der frühen 1990er Jahre, dass die meisten Unternehmen „overmanaged“, dafür aber „underled“ seien, wurde die Vision praktisch zur Pflicht jedes Managers, der das Image eines technokratischen Erbsenzählers abschütteln wollte.

Seiten 229 - 232