Accenture Report
01.12.2014
"Wer ein Produkt ohne digitale Services anbietet, muss umdenken“
Mario Schulz, ESV-Redaktion ConsultingBay
Für einige ist das Internet immer noch Neuland. Aber die Industrie und auch ein Großteil der Konsumenten denken schon viel weiter. Längst geht es nicht mehr nur um das Internet 1.0, wenn über das Internet gesprochen wird. In Zukunft wird selbstverständlich jede Café-Maschine und jedes Auto mit dem Internet verbunden sein. Selbst ganze Fertigungsanlagen oder Flugzeugturbinen werden via Internet mit dem Hersteller verbunden sein. Hieraus entstehen völlig neue Geschäftsmodelle, die bis gestern noch Science Fiction waren. Inzwischen sprechen die Strategen und Marketingexperten vom Internet 4.0.
Hierin liege nach Meinung von Riemensperger eine großes Potenzial: "Für die deutsche Wirtschaft bieten intelligente Produkte in intelligenten Netzen enorme Chancen: In all unseren Leitbranchen – sei es Automobilbau, Maschinenbau, Chemie, Logistik, Medizin- oder Energietechnik – werden eine große Zahl der ausgelieferten und vernetzten Produkte zusätzliche Serviceumsätze über das Internet der Dinge bieten."
Die deutsche Wirtschaft hat diesen Trend bereits erkannt. Laut einer aktuellen Studie von PwC und Strategy& werden für den Ausbau der "Industrie 4.0" pro Jahr 40 Milliarden Euro investiert (siehe hierzu die Meldung auf ConsultingBay).
“Internet of Things” bedeutet “Everything as a Service”
Für viele Unternehmen bedeutet der rasante technische Fortschritt, dass sie altbekannte Pfade verlassen müssen, um in Zukunft am Markt zu bestehen. Der Trend zu "Everything as a Service" führt laut des aktuellen Accenture Reports "Driving Unconventional Growth Through the Industrial Internet of Things" zu tiefgreifenden Veränderungen in den Geschäftsmodellen. Die digitale Anschlussfähigkeit von Produkten, Kunden und Partnern wird, so die Experten von Accenture, für die meisten Unternehmen zum "wettbewerbsentscheidenden Kriterium".Sensoren sind Katalysatoren für das Internet der Dinge
Vor allem die neuen intelligenten Produkte mit Internetanschluss und einer Vielzahl von Sensoren sorgen laut Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung von Accenture Deutschland und Mitglied im Vorstand des BITKOM, für völlig neue Geräte und Services.Hierin liege nach Meinung von Riemensperger eine großes Potenzial: "Für die deutsche Wirtschaft bieten intelligente Produkte in intelligenten Netzen enorme Chancen: In all unseren Leitbranchen – sei es Automobilbau, Maschinenbau, Chemie, Logistik, Medizin- oder Energietechnik – werden eine große Zahl der ausgelieferten und vernetzten Produkte zusätzliche Serviceumsätze über das Internet der Dinge bieten."
Die deutsche Wirtschaft hat diesen Trend bereits erkannt. Laut einer aktuellen Studie von PwC und Strategy& werden für den Ausbau der "Industrie 4.0" pro Jahr 40 Milliarden Euro investiert (siehe hierzu die Meldung auf ConsultingBay).
Service matters
Die neuen Technologien bieten den Firmen zudem die Möglichkeit, die Wertschöpfungskette zu erweitern. Endgültig vorbei sind daher die Zeiten, als für viele Firmen der Spruch gegolten hat: "Aus den Augen aus dem Sinn". Durch den Zugriff auf die digitalen Nutzungsdaten sind Produkte und Unternehmen ein Leben lang miteinander verbunden. Unternehmen sind folglich in der Lage, innovative Wartungsmodelle anzubieten, den Betrieb der Maschinen und Geräte direkt beim Kunden zu optimieren. Oder sie bieten auch branchenübergreifende Lösungen an. Entscheidend sei, so Riemensperger, "dass die deutschen Leitbranchen die großen Potenziale des Internet der Dinge nutzen, denn hier liegen erhebliche Wachstumschancen." Wer zwar ein tolles Produkt herstelle, aber dazu keine digitalen Services anbiete, müsse schnellstens umdenken.Hintergrund: In sieben Schritten zu neuen Geschäftsmodellen
Damit die Unternehmen den richtigen Pfad einschlagen, hat Accenture sieben Schritte identifiziert, die Unternehmen nutzen sollten, um neue Geschäftsmodelle aufzubauen:- "In alle Richtungen denken: Am Anfang dürfen ruhig wilde Spekulationen stehen. Unternehmen sollten sich fragen, welche Services rund um welche Produkte ihren Kunden nutzen könnten. Weitergedacht, können sie sich fragen, was den Kunden ihrer Kunden nutzen könnte. Dazu gehört auch eine sachliche Bestandsaufnahme dessen, wie weit das Unternehmen auf diesem Weg schon ist und wie es die nötigen Skills entwickeln kann.
- Das Umfeld der Partner beobachten: Weil der eigene Erfolg auch von Partnern und Zulieferern abhängt, muss deren Umfeld beobachtet werden. Zum einen können über dieses Umfeld neue Kunden erreicht werden, zum anderen könnten Partner der Partner im eigenen Umfeld wildern.
- Design und Entwicklung der Plattform angehen: Von der technologischen Seite her ist zu prüfen, welche Plattform das Unternehmen braucht. Entscheider müssen festlegen, ob und welche Zugriffsmöglichkeiten Externe (Entwickler, Zulieferer, Kunden) haben sollen. Eine weitere Frage lautet, welche Services man über welche Kanäle anbieten will.
- Die finanzielle Seite betrachten: In den finanziellen Fragen geht es statt wilder Spekulationen um möglichst realistische Betrachtungen künftiger neuer Umsätze. Die Kosten des Transformationsprozesses gehören in diese Betrachtung ebenso wie die Gestaltung von Preisen und Margen.
- Die neuen Angebote verkaufen: Unternehmen müssen ihre Vertriebspartner von den Vorteilen der neuen Angebote überzeugen. Konflikte können entstehen, wenn das Unternehmen Services jetzt online anbieten will, die zuvor über einen Vertriebspartner gelaufen sind.
- Sich in Rechts- und Datenschutzfragen auf den neuesten Stand bringen: Wer seine haptischen Produkte um digitale Services erweitert, betritt in Rechtsfragen möglicherweise Neuland. Gesetzliche Vorgaben und Datenschutzbestimmungen sind zu beachten.
- Den Menschen nicht vergessen: Wer bisher handfeste Maschinen produziert hat und diese nun um digitale Dienstleistungen erweitert, mutet den Mitarbeitern erhebliche Umstellungen zu. Sie dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Schließlich soll die Produktivität steigen." (Quelle: Accenture)