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Wer führt, ohne dass ihm die Menschen folgen, geht nur spazieren

„Wer seinen Mitmenschen nicht zu dienen in der Lage ist, will sie beherrschen.“
Ludwig von Mises

Die „ideale“ Führungskraft
Seit über 2000 Jahren wird über Führung diskutiert. Dabei neigen wir dazu, Führungsqualitäten als ein Set von Eigenschaften zu definieren, das bestimmte Menschen aufweisen. Wer heutige Stellenanzeigen für Führungskräfte liest, muss nachgerade größenwahnsinnig sein, bewirbt er sich dennoch. Und nur selten widerstehen wir der Versuchung, uns ambitiös über soziale Intelligenz, Visionsfähigkeit, Entscheidungskompetenz, Charisma etc. auszulassen. Das alles folgt gewohnten Denkfiguren, die in der Tradition Sigmund Freuds menschliches Verhalten durch intrapsychische Triebkräfte erklären.
Nun mache ich manchmal die einigermaßen irritierende Erfahrung, dass Menschen, die meiner Idee von einer „idealen“ Führungskraft so gar nicht entsprechen, z.T. ausgesprochen erfolgreich sind: die Ergebnisse stimmen, die Atmosphäre zwischen den Menschen stimmt. Weit erstaunlicher noch: Eine Führungskraft, die geradezu einem Modellheft der Managementliteratur entsprungen scheint, scheitert unter optimalen Bedingungen. Wie ist das zu erklären? Offenbar passt diese Führungskraft zu dieser Aufgabe, zu dieser Mitarbeitergruppe, zu diesem Chef – oder sie passt nicht. Man sieht: Mit Handbuchweisheiten um sich zu werfen oder gedankenvoll nickend hochimpressionistische Eignungsurteile über „geborene Führer“ auszutauschen, ist wenig hilfreich.

Seiten 165 - 173